Ein Jahr in den USA

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP/CBYX) ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestages und des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika, welches 1983 ins Leben gerufen wurde und seitdem den transatlantischen Jugendaustausch fördert.

Es ermöglicht Jugendlichen, einen einjährigen Aufenthalt in den USA zu verbringen. Sie lernen an ihren Schulen, an ihren Praktikumsplätzen, in ihren Gastfamilien und in ihrer Freizeit, was Deutschland und Amerika verbindet und unterscheidet.

Die Stipendiaten des PPP wirken in dieser Zeit als „junge Botschafter“ für die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Werte ihres Landes. Der jungen Generation in beiden Ländern soll die Bedeutung freundschaftlicher Zusammenarbeit bewusst werden.

In jedem Jahr werden Stipendiumsplätze für ein solches Austauschjahr vergeben. Für das aktuelle Programmjahr können sich Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 17 sowie junge Berufstätige bis 24 Jahren hier bewerben. Für mich als Bundestagsabgeordneter besteht im Rahmen dieses Programms die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Stipendiatin oder einen Stipendiat zu übernehmen. Sehr gern unterstütze und beteilige ich mich daran. Bisher konnten alle Stipendiaten, die ich betreuen durfte, von großartigen Erfahrungen berichten.

Nähere Einzelheiten zum Verfahren finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Bundestages.

Erfahrungsberichte der bisherigen Stipendiaten:

2018/19 Maurice Hartung

Salt Lake, Utah

2017/18 Antonia Fischer

Saint Cloud, Florida

Zwischenbericht I von Antonia Fischer:

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, seitdem ich die freudige Nachricht der Erhaltung des PPP-Stipendiums bekommen habe. Seitdem hat sich in meinem Leben viel verändert. Im Mai habe ich die Bestätigung meiner Gastfamilie in Florida erhalten, bei welcher ich jetzt seit fünf Monaten lebe. In meiner Zeit hier hatte ich die Möglichkeit schon unheimlich viel von der USA zu sehen und viele Aspekte meiner Kultur zu teilen. Die Menschen hier sind sehr offen und interessiert an meinem Alltag zuhause, da viele deutscher Abstammung sind. Ich freue mich immer von meiner Heimat zu erzählen und bin stolz, diese Aufgabe täglich wahrzunehmen. Meine Familie leistet auch ganze Arbeit, mir so viel von ihrer Heimat zu vermitteln wie nur möglich. Sie gehen sehr gerne campen und Florida hat diesbezüglich natürlich viel zu bieten. Besonders beeindruckend sind die Quellen, in denen sich zu dieser Jahreszeit viele Seekühe tummeln. Abgesehen davon haben sie mich nach Weihnachten auch mit einem Trip nach New York überrascht. Ich bin überwältigt mit den Erfahrungen, die ich in den ersten fünf Monaten hier schon machen durfte und welche mich mein ganzes Leben lang prägen werden. Das High School Leben ist sehr aufregend und ich habe mich schon an neuen Hobbies wie Theater und Laufsport ausprobiert. Vielen Dank für diese Möglichkeit, die Sie, Herr Hirte, mir hiermit gegeben haben. Ich bin unglaublich dankbar und versuche jeden Tag hier auszukosten. Vielen habe ich hier schon vom PPP/ CBYX berichtet und einige meiner Freunde hier haben sich bereits dafür beworben.

Mit freundlichen Grüßen
Antonia Fischer

Zwischenbericht II von Antonia Fischer:

Die Zeit verfliegt hier in den USA und mein letzter Bericht war bereits vor fast zwei Monaten. Ende Januar bin ich mit 100 weiteren PPP-Stipendiaten nach Washington D.C. geflogen, um unser Halbjahresseminar zu absolvieren. Es war sehr schön, sich mit anderen Stipendiaten von der Ostküste/ Südstaaten über unsere bisherigen Erfahrungen auszutauschen. Wir hatten die Möglichkeit, verschiedene Seminare zum Thema "Leadership" und zu verschiedene politischen und medienethischen Aspekten, zu absolvieren sowie zahlreiche Museen zu besuchen. Mein Highlight war unser Capitol Hill Day bei welchem wir Meetings mit Senatoren, Repräsentanten oder ihren Mitarbeitern hatten und Fragen zu ihrem politischen Alltag stellen konnten. Ich war zunächst natürlich sehr nervös, aber es war eine wunderbare Erfahrung! So oft bekommt man schließlich nicht die Chance, so etwas zu tun. Ich hatte eine tolle Zeit in D.C. und es war faszinierend zu sehen, wie sehr alle Stipendiaten, die ich beim Vorbereitungsseminar kennengelernt habe, bereits an der Erfahrung gewachsen sind.

Abgesehen davon bin ich dem Track and Field Team begetreten. Meine Disziplinen sind 100m Hürden und 400m. Es war bis jetzt eine super Saison!

Momentan bin ich campen in South Carolina mit meiner Gastfamilie. Wir waren zuerst ein paar Tage auf Hunting Island und sind dann später nach Charleston gefahren. Ein wirklich schöner Staat mit viel Geschichte!

Ich habe außerdem gesehen, dass Sie bereits den nächsten Stipendiaten für das PPP ausgewählt haben. Er hat das alles noch vor sich, da wird man fast ein bisschen neidisch ;) Ich bin sicher er wird eine genauso schöne Zeit haben wie ich.

Mit freundlichen Grüßen
Antonia Fischer

Abschlussbericht von Antonia Fischer:

Ich habe versucht, das Schreiben meines letzten Berichts so lange es geht aufzuschieben, denn es ist für mich immer noch nicht real, dass ich seit einigen Tagen wieder zuhause bin.

Aus meiner restlichen Zeit vor dem Flug wollte ich natürlich noch einmal so viel wie möglich erleben und ich denke, das ist mir auch gelungen. Natürlich habe ich besonders noch einmal versucht, etwas mit meinen Freunden zu unternehmen. Wir waren zusammen noch einmal bei Universal, Wasserparks, dem Strand oder einfach essen. Irgendwann war es dann soweit und ich musste allen auf meiner Abschiedsparty auf Wiedersehen sagen. Meine Gastmutter hatte das Ganze organisiert und uns sogar noch eine Wasserrutsche gemietet. Es hat zwar größtenteils geregnet, aber wir hatten super viel Spaß. Ich bin so froh, besonders durch das Theater so verrückte und gute Freunde gefunden zu haben.

Ein paar Tage vor der Party haben wir einen anderen Meilenstein gefeiert: den Schulabschluss meiner Schwester. Die Zeremonie war wirklich schön anzusehen und die ganze Familie war natürlich super stolz auf sie! Meine Gastschwester war letztendlich Diejenige mit der Idee, sich dieses Jahr als Gastfamilie bereit zu erklären und die Anderen fanden es wäre eine schöne Erfahrung für sie, mal Geschwister zu haben (da sie auch Einzelkind ist). Meine Gastmutter hat mir dann später erzählt, sie hat früher auch immer gebetet, ein Haus für sie und meine Schwester zu bekommen und wollte, wenn sie es bekommt, es dafür nutzen Anderen zu helfen. Das ist also, wieso ich bei meiner Familie gelandet bin. Die letzten zehn Tage habe ich dann auch nur noch mit ihnen verbracht und zwar, weil wir zusammen einen Ausflug nach Südflorida unternommen haben. Das war wahrscheinlich unser coolster Trip aus dem ganzen Jahr. Die erste Tage waren wir in Miami und haben uns unter anderem Fahrräder ausgeliehen, sind durch den Kunstdistrikt Wynwood gefahren, waren im botanischen Garten, dem Holocaust Museum und natürlich am Miami Beach, wo wir sogar noch einen Hai gesehen haben. Danach ging es weiter in die Everglades, mit Airboat-Touren und vielen Alligatoren und Schlangen. Unser letzter Stop war dann Key West, die südlichste Stadt der Staaten, wo wir schnorcheln, Meeresfrüchte essen und Straßenkünstlern zugucken waren. Nach dieser aufregenden Woche ging es noch ein letztes Mal campen und zwar am Sebastian Inlet, dem wahrscheinlich schönsten Campingplatz, bei dem wir waren. Er liegt direkt am Wasser und zwar dort, wo der Fluss und Ozean aufeinander treffen. Das war vor allem ein Traum für meinen Gastvater, weil sich dort allerlei Fische tummeln und er so den ganzen Tag angeln konnte. Beim Baden haben wir selbst Delfine, Seekühe, Kugelfische und verschiedene Krabben gesehen. Am Abend gab es dann den Fang des Tages auf dem Grill. Es war wirklich herrlich.

So schön es auch war, war es irgendwann vorbei und nächsten Tag ging es schon zum Flughafen. Ich hatte mir oft Gedanken um diesen Tag gemacht, wie sehr ich mich wohl freue nach Hause zu gehen, aber als wir dann dort standen, konnte ich mich kaum freuen, schließlich müsste ich jetzt meiner zweiten Familie und Zuhause auf Wiedersehen sagen. Meine Familie war nie sehr emotional oder hat mir oft gesagt sie sind froh mich zu haben, aber als wir dann dort standen, konnte niemand Tränen zurückhalten. Meine Familie hat sich bedankt für alles was ich „mitgebracht“ und für den Unterschied, den ich gemacht habe und das hat mir gesagt, ich habe alles richtig gemacht. Ich bin dankbar, dass es Programme wie das Parlametarische Patenschafts-Programm gibt, die es Leuten wie mir ermöglichen, solche Erfahrungen zu machen. Jetzt kann ich es kaum erwarten, sie mit allen hier zu teilen.

Mit freundlichen Grüßen
Antonia Fischer

2016/17 Christian Dittmann

French Creek, West Virginia

Zwischenbericht von Christian Dittmann:

Mittlerweile ist fast ein Drittel meiner Zeit in Amerika um und ich genieße es sehr. Ich habe mich sehr schnell einleben können.

Aber alles der Reihe nach. Als ich vor knapp 90 Tagen meine Reise in ein fremdes Land begann, ohne Familie und ohne bekannte Gesichter, war es eine sehr ungewohnte, aber auch prägende Situation. Im Flugzeug, wenige Stunden bevor man seine neue Familie, eine neue Gegend und generell eine neue Welt kennen lernt, fing ich an, über all dies nachzudenken. „Ich werde nun ein Jahr ohne meine Eltern, ohne meine Freunde und ohne meinen gewohnten Alltag, in einem anderen Land mit einer anderen Sprache leben. Wie verrückt bist du eigentlich?“ Ich begann mir Gedanken über meine Gastfamilie und über meine Schule zu machen: Wie werden sie sein? Werden sie mich akzeptieren? Werde ich Freunde finden?

Als ich dann endlich ankam und einige Tage hier gelebt habe, stellte ich fest, dass es nicht besser hätte sein können. Meine Gastfamilie ist wie meine „echte“ Familie und ich bin ein echtes Familienmitglied. Dasselbe gilt für die Schule. Wahrscheinlich liegt das an der Besonderheit von Austauschschülern, aber innerhalb einer kurzen Zeit hat man mehr Freunde um sich herum, die jedes Detail und jede Information gierig aufsaugen als je zuvor.

Es wurde Herbst, die Zeit von Halloween und Thanksgiving, die beiden amerikanischen Feste schlecht hin. Halloween war genau so klischeehaft, wie es in unseren Medien immer dargestellt wird. Abstrakte Kostüme von einem wandelnden Mobiltelefon mit diversen Textnachrichten wie „OMG“ oder „LOL“, über Steve mit einer Diamantspitzhacke von Minecraft, bis hin zu einem großen, grünen Ball, der im Dunkeln leuchtet, war alles dabei. Nachdem man dann abends eine Stunde durch die halbe Stadt gewandert ist, war ein ganzer Einkaufsbeutel gefüllt mit jeder Menge Süßigkeiten.

Thanksgiving ist das zweitgrößte Familienfest in Amerika nach Weihnachten. Ich freute mich sehr darauf, mit meiner Familie an einem Tisch einen ganzen Truthahn aufzuessen und mich mit ihnen zu unterhalten.

Meine Gastfamilie war ganz gespannt, mir all die amerikanischen Gegebenheiten zu Thanksgiving zu zeigen. So erwartete mich neben meinem ersten Truthahn auch das sogenannte „Black Friday - Shopping“. Dieser Tag gilt als der umsatzstärkste Tag im amerikanischen Einzelhandel.

Generell ist meine Gastfamilie sehr offen mit mir und möchten mir so viel wie möglich zeigen. Die ersten paar Wochen in einer neuen Familie waren eine einzigartige Erfahrung. In Deutschland bin ich ein Einzelkind und nun den ganzen Tag mit drei Gastbrüdern und einer Gastschwester zu verbringen, ist schon ziemlich ungewohnt. Dass ich die letzten zwei Jahre in einem Internat gelebt habe, hat mir wahrscheinlich sehr geholfen mich einzuleben. Jetzt nach drei Monaten liebe ich sie wie meine „echte“ Familie. Zusammen haben wir schon viel erlebt. So gab es eine tolle Welcome-Party nur für mich, ich durfte das erste Mal in meinem Leben in einem originalen Oldtimer „Model T“ mitfahren und ich war mit meiner Gastfamilie das erste Mal Campen.

Neben diesen Festen gab es vor ein paar Wochen ein weiteres, nicht nur für Amerika wichtiges Ereignis. Die Wahl des nächstes US-Präsidenten. Ich weiß ziemlich genau, dass fast all meiner amerikanischen Bekannten für Donald Trump stimmten oder ihn zu mindestens bevorzugten. In West Virginia, der „Kohlenmine“ Amerikas, hat sehr deutlich Trump die Wahl gewonnen. Er hält nichts vom Klimawandel und versprach Amerika wieder in eine Zeit zu führen, in der Rohstoffe aus West Virginia die Grundlage einer Industrie bilden. In einem der ärmsten Bundesstaaten Amerikas sorgte das für Jubel bei seiner Anhängerschaft.

Doch auch in der Lokalpolitik meiner Stadt in Amerika hat sich etwas Besonderes zugetragen. Da wir in Buckhannon, einer tollen Kleinstadt mitten in West Virginia, zehn Austauschschüler aus der ganzen Welt sind, erklärte der Bürgermeister die Woche zwischen dem 6. und 12. November offiziell als „International Exchange Student Week“ (die „Woche der internationalen Austauschschüler“). Das ist eine ganz besondere Ehre. Wir erhielten vor ganz offiziellen Vertretern der Gemeinde eine Urkunde zur Erinnerung. In dieser Woche trafen wir auch die Vertreterin des Department of State, mit der wir uns in einer Gesprächsrunde unterhielten.

Ich möchte Ihnen hiermit noch einmal herzlich dafür danken, dass Sie mir dieses Erlebnis, diese Erfahrung, durch die Vergabe des Stipendiums ermöglichten.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick in mein Leben in Amerika geben.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest!

Herzliche Grüße aus West Virginia

Christian Dittmann

2016/17 Anna Sophie Goldbach

Truscon, Arizona

2015/16 Paul Leon Hort

Lakewood, Colorado


Zwischenbericht I von Paul Leon Hort:

Hallo,

seit gut zwei Monaten lebe ich jetzt bei meiner amerikanischen Gastgeberfamilie in Golden, Colorado. Ich wohne hier zusammen mit meinen Gasteltern, meinem 17-jährigen und meinem 14-jährigen Gastbruder in einem Haus am Stadtrand von Golden. Meine 18-jährige Gastschwester besucht in einer anderen Stadt das College. Sie kommt aber jedes Wochenende nach Hause.

Die ersten zwei Monate in den USA gingen für mich sehr schnell vorüber, da ich hier pausenlos etwas Neues erlebe. Nach meiner Ankunft im August hatte ich zunächst noch zwei Wochen Ferien vor meinem Schulbeginn an der Golden High School. Gleich am ersten Wochenende haben mich meine Gasteltern und einer meiner Gastbrüder auf eine Zweitageswanderung ins Gebirge mitgenommen. Die Familie verbringt ihre Freizeit gern in der Natur. Wir gehen häufig gemeinsam mit den Moutainbikes auf Tour in den umliegenden Bergen. Darauf hatte ich mich besonders gefreut. Deshalb habe ich auch mein Fahrrad mit über den großen Teich genommen. Der ältere der beiden Brüder arbeitet in der Kletterhalle, die gleich um die Ecke liegt. Daher bin ich auch ziemlich schnell dort gelandet und gehe recht oft zum Klettern dorthin.

Bevor die Schule begonnen hat, hatte ich in der High School ein Gespräch mit meinem Guidance Counselor (einem „Schülerberater“), um meine Fächer auszusuchen. Ich habe insgesamt sechs Fächer gewählt, d.h. AP Chemistry, AP Physics, AP Calculus, Regular English, Regular History und Weight Training. Da der Unterricht in Kursen stattfindet, hat man in jedem Fach andere Mitschüler und keine feste Klasse.

Ich bin mit meinem jüngeren Gastbruder dem Mountainbike-Team der Schule beigetreten. Wir haben jeden Dienstag, Donnerstag und Sonntag Training. Ende August hat dann hier in Colorado die Rennserie begonnen mit insgesamt vier Rennen im Abstand von zwei Wochen. Das Team ist eine tolle Erfahrung für mich. In Deutschland gehe ich meistens allein Mountainbiken. Hier fahre ich zusammen mit 40 anderen Mountainbike-begeisterten Schülern. Die Rennen machen viel Spaß, insbesondere weil das Team jeden unterstützt und anfeuert. Die Stimmung ist einfach super.

Ich habe auch immer mehr Freude am Klettern gefunden. Meistens gehe ich mit meinen Gastbrüdern oder mit Freunden. Dabei komme ich jedes Mal mit neuen Leuten in Kontakt und kann mich mit ihnen unterhalten. Sei es beim Klettern, Bouldern oder bei den Kursen, die in der Kletterhalle angeboten werden. So kann ich immer neue Bekanntschaften machen. Das Klettern ist für mich daher nicht nur wegen dem sportlichen Aspekt schön und wichtig, sondern auch weil ich dabei neue Kontakte knüpfen kann.

In der Schule war es anfangs recht schwierig Freunde zu finden. Jetzt nach gut zwei Monaten habe ich aber einige Freunde gewonnen. Mein bester Freund ist Mexikaner, er lebt seit 14 Jahren in den USA. Mittlerweile unterhalte ich mich auch viel öfter mit meinen Mitschülern über Deutschland und die Erfahrungen die ich in den USA mache. Viele sind sehr interessiert an deutscher Kultur, Politik, deutschen Autos und deutschem Essen.

Meine Gastgebereltern interessieren sich sehr für Deutschland und Europa. Ihre Vorfahren sind vor einigen Generationen aus Skandinavien bzw. Polen eingewandert. Wir unterhalten uns oft über politische Unterschiede oder die Geschichte unserer Länder. So konnte ich meine Funktion als Botschafter schon gut erfüllen.

Meine Freizeit verbringe ich mit der Familie und mit den Freunden aus der Schule. Mit meinen Freunden bin ich meistens an den Schultagen zusammen. Wir treffen uns immer zur Mittagspause und der anschließenden Freistunde. Am Wochenende hatte ich bisher entweder Mountainbike Rennen, Training oder meine Gastgeberfamilie hat etwas mit mir unternommen. Die Familie begleitet meinen Gastbruder und mich auch immer zu den Mountainbike Rennen, die in verschiedenen Orten in den Bergen stattfinden.

An die englische Sprache habe ich mich recht schnell gewöhnt. Ich verstehe Englisch ziemlich gut, aber mein Wortschatz ist noch nicht so groß. Ich werde aber mit der Zeit besser. Dem Unterricht in der Schule kann sehr gut folgen.

Einen Kulturschock, den man ja vielleicht befürchtet, hatte ich nicht wirklich. Ich musste mich zwar zunächst an die Schule gewöhnen. Die ist ungefähr viermal so groß wie meine Schule in Eisenach. Das Familienleben, das ich hier in Colorado erlebe, ist aber nicht grundsätzlich anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gehofft, in eine Umgebung mit schöner Landschaft und mit netten Menschen zu kommen. Genauso ist es eingetreten.

Die ersten zwei Monate waren sehr schön. Ich habe mich gut eingelebt. Aber es dauert noch ein wenig, bis ich mich voll und ganz an die neue Umgebung gewöhnt habe. Ich bin sehr zufrieden, meine Gastfamilie ist sehr nett, die Umgebung ist sehr schön und ich kann alle Hobbies ausüben, die ich mag. Wenn es so weitergeht, wird dieses Austauschjahr in den USA ein sehr schönes Erlebnis für mich.

Liebe Grüße

Paul

Zwischenbericht II von Paul Leon Hort:

Hallo,

die erste Hälfte meines Austauschjahres in Colorado ist jetzt um. Nun merke ich, wie schnell die Zeit bisher verging und werde schon etwas traurig, dass es in fünf Monaten wieder nach Hause geht. Allerdings schaue ich dem Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden froh entgegen.

In der Woche vor Weihnachten hatte ich an der High-School zum Abschluss dieses Schulhalbjahres meine Finals (Abschlusstests). Im Rückblick muss ich sagen, dass meine ausgewählten AP – Fächer (Advanced Placement) viel Arbeit bedeuten, dafür machen sie aber auch am meisten Spaß. Nächstes Halbjahr führe ich AP Chemistry, AP Physics, AP Calculus (Mathematik), World History und English weiter. Weight Training habe ich gegen Engineering getauscht, worauf ich mich sehr freue.

Vor zwei Wochen habe ich in meiner Englisch-Klasse einen Vortrag über mich als Austauschschüler und über Deutschland gehalten. Meine Mitschüler waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Es war eine tolle Erfahrung für mich, den amerikanischen Jugendlichen über meine Heimat zu berichten. Jetzt habe ich aber erst einmal 2 Wochen Weihnachtsferien zum Entspannen, ohne Hausaufgaben.

Weihnachten nicht zu Hause zu feiern ist schon etwas komisch. Aber meine Gastfamilie bemüht sich sehr, das Weihnachtsfest für mich so schön wie möglich zu gestalten. Wir verbringen die Weihnachtsferien in den Bergen. So können wir mit der ganzen Familie Ski fahren, was sehr viel Spaß macht. Außerdem haben wir schon einen Weihnachtsbaum aus dem Wald geholt und geschmückt und Weihnachtsbrot gebacken. Von zu Hause habe ich von meiner Oma selbstgebackene Plätzchen und von meinen Eltern Brot, Stollen und Marmelade bekommen. Da kommt doch ein wenig das Gefühl der heimatlichen Weihnachtszeit auf.

Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit

Paul

2014/15 Uta Beuke

Flat Rock, Michigan

2013/14 Anne-Christin Schulze

Indianapolis, Indiana

Zwischenbericht von Anne-Christin Schulze:

Hallo,

ich wollte mich mal wieder melden und berichten, was es so Neues gibt. Mir geht es hier sehr gut. Ich habe klasse Noten, schon viele Freunde gefunden und ich fühle mich schon wie ein echter Teil meiner Gastfamilie. Meine Gasteltern sind Missionsarbeiter der Kirche und helfen Obdachlosen und Bedürftigen in Indianapolis. Wir unternehmen viel gemeinsam und schon jetzt ist ein Urlaub in Florida am Ende meines Austauschjahres geplant. Meine Familie und ich haben auch das neue Hobby „East Coast Swing Dancing“ gestartet und nächstes Wochenende geht es zu einem Skitrip nach „perfect north“ Indiana.

Besonders gefreut hat mich, dass ich in das „student government“ gewählt wurde(Wir planen alle Schulveranstaltungen, Sozialstunden und sammeln Geld für den Abschlussball).

Thanksgiving und Weihnachten habe ich mit meiner gesamten Gastfamilie gefeiert, es war eine tolle Erfahrung, diese Feierlichkeiten in den USA mitzuerleben. Es macht immer wieder Spaß, die kleinen und großen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA zu entdecken.

Gestern war ich auf einem „Internationalen Basar“, wo ich Deutschland und Thüringen repräsentiert habe. Das Ganze war eine Veranstaltung meines Austauschprogramms. Jedes Land hatte einen Tisch, wo Austauschschüler ihre Heimat mit Hilfe von Bildern, Sideshows, Musik, Büchern, Landkarten und einem kleinen Snack aus dem jeweiligen Land vorgestellt haben. In meinem Fall gab es als Snack Haribo, Milka und Vanillekipferl, was ein Grund mehr war, warum viele Besucher nicht nur einmal vorbeischauten ;-) Meine Gastmutter und Gastschwester waren auch dabei und hatten richtig viel Spaß. Es kamen sogar Mitarbeiter des Außenministeriums aus Washington DC, um unseren „Basar“ zu sehen und mit uns zu reden. Abends ging es dann noch zu einer Football-party mit meiner Familie und ein paar Freunden. Leider hat unser Team, die „Indianapolis Colts“ gegen ihren Erzfeind „New England Patriots“ verloren, aber wir hatten trotzdem eine gute Zeit.

Heute Nachmittag sind meine Schwester und ich zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Es ist der 16. Geburtstag einer Freundin, und ja, „Sweet 16“ wird hier groß zelebriert. Sie haben eine ganze Tanzschule mit Tanzlehrern gemietet und veranstalten einen „Phantom der Oper-Maskenball“. Das kann ja nur toll werden! Naja, ich habe hier immer einen vollen Kalender und mache ganz viele tolle neue Erfahrungen :-)

Liebe Grüße aus Indianapolis,

Anne-Christin Schulze


2012/13 Yannick Robin Sturm

Virginia Beach, Virginia


Mein Austauschjahr
Der Gedanke, ein Schuljahr im Ausland zu verbringen, kam mir das erste Mal in den Sinn, als ich im Rahmen einer Klassenfahrt in Großbritannien in einer sehr netten Gastfamilie untergebracht war. Als leidenschaftlicher Basketballspieler favorisierte ich natürlich sofort die Vereinigten Staaten von Amerika. Ich nutzte Veranstaltungen meiner Schule, dem Martin Luther Gymnasium in Eisenach und suchte Kontakt zu allen mir bekannten ehemaligen Austauschschülern, um Informationen und Erfahrungsberichte zu erhalten. Schnell hatte ich das Gefühl, dass ein Auslandsjahr genau das Richtige für mich wäre und ich der Richtige für ein Auslandsjahr. Über meine Schule erfuhr ich von dem Parlamentarischen Patenschafts Programm und nach dem Ausfüllen der sehr umfangreichen Bewerbungsunterlagen und mehreren Interviews entschied sich schließlich der Bundestagsabgeordnete meines Wahlkreises, Christian Hirte, für mich als Stipendiaten. Mein Traum sollte also Wirklichkeit werden. Ein viertägiges Vorbereitungsseminar in Würzburg verschaffte uns Stipendiaten eine sehr gute Grundlage. Hier bekamen wir viel über den Kulturschock und Heimweh beigebracht, aber auch Regeln und an wen wir uns bei Problemen wenden könnten. Ein Ansprechpartner vor Ort und eine Emailbetreuung sollten uns zu jeder Zeit beiseite stehen. Vier Wochen bevor ich meine Reise antrat, bekam ich Informationen über meine Gastfamilie: Lauren und Matthew Small und meine Gastgeschwister Luke (17), Ariel und Aubrey (beide 18). Ich nahm gleich Kontakt auf und bekam gesagt, dass man sich sehr über mich freue, aber auch, dass mein Gastbruder sehr skeptisch über mich denkt und ich versuchen solle, ihm am Anfang möglichst aus dem Weg zu gehen.

Mitte August ging es dann endlich los und ich war sehr gespannt auf das, was mich erwarten würde. Nach einem neunstündigen Flug nach Chicago, sechs Stunden Aufenthalt und einem weiteren Flug nach Norfolk, VA kam ich endlich an meinem Ziel an. Mein allererster Eindruck war die Hitze und Luftfeuchte Virginias im Sommer, als ich aus dem Flugzeug ausstieg. Im Flughafengebäude sah ich dann auch schon meine Gastfamilie auf mich warten mit einem großen Plakat, auf dem „Welcome Yannick“ in den Farben der amerikanischen Flagge gestaltet war. Am nächsten Tag sollte ich dann neben meine zwei Gastschwestern, ihrer Freundin und meiner Gastmama, die mich am ersten Tag empfangen hatten, auch den Rest der Familie kennenlernen. Mein Gastvater, ein ehemaliger US Navy Seal, begrüßte mich mit einem festen Händedruck und den Worten: „Welcome to the States“. Mein Gastbruder grüßte mich von Weitem und schaute mich, wie ich schon erwartete, etwas komisch an. Die ersten zwei Monate vergingen, ich wählte Algebra2/Trigonometrie, Technisches Zeichnen, Sport, Englisch, US&Virginias Geschichte und Französisch als Fächer in der Schule und engagierte mich gleich in der Basketball-Mannschaft meiner Highschool. Die Zeit kam mir vor wie im Urlaub, mit Ausnahme des frühen Aufstehens und zur Schule gehen, natürlich. Ich hatte immer noch eine Vorstellung, was mich noch erwarten würde und mein Bild über die USA, welches ich mir schon lange vor meinem Aufenthalt gemacht hatte, hatte sich nicht geändert. Im Nachhinein allerdings sehe ich die ersten zwei Monate als sprachliche Vorbereitung und das Setzen von Grundlagen für jenes, was mich in den kommenden Monaten noch erwarten sollte.

Die Zeit von Oktober bis Anfang des neuen Jahres war wohl die schwierigste, aber dafür auch die Periode meines Aufenthaltes, die mich am meisten gefordert und somit mein Ich geprägt hat. Zum ersten Mal hatte ich es mit Heimweh zu tun, die Kulturunterschiede wurden mir bewusst und ich fühlte mich oft allein, da ich zwar Freunde hatte, diese aber nur während der Schulzeit sah. Zudem kam, dass ich es nicht geschafft hatte, mich für das Basketballteam meiner Schule zu beweisen, was meinen Traum eines „perfekten“ Auslandsjahres platzen ließ. Der Gedanke, alles hinzuschmeißen kam nie auf, aber ich hatte das Gefühl, dass ich die Zeit jetzt absitzen musste. Wie schon erwähnt hat mich diese Zeit wohl auch am meisten verändert und mit Sicherheit auch gestärkt, da ich eben nicht aufgegeben, sondern gekämpft habe dafür, meine Lage zu verbessern. Besonders die Kulturunterschiede machten mir in dieser Zeit sehr zu schaffen. So verbrachte ich viele Tage in meinem Zimmer oder auch allein in der Sporthalle, bis mich eines Tages einer meiner Mitschüler, den ich durch Basketball kannte, fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm zusammen Leichtathletik zu machen. Auch er hatte es nicht geschafft, sich für das Basketball-Team der Schule zu beweisen und daher entschied er sich dafür, für unsere Schule als ein COX Falcon zu rennen. Isaiah, der zudem in meiner Sport- und Geschichtsklasse war, kam mir sehr nett vor und ich willigte ein, ebenfalls mit Leichtathletik anzufangen. Schon nach zwei Wochen wusste ich, dass dies die wahrscheinlich beste Entscheidung war, die ich gemacht hatte - seit der Bewerbung für das Stipendium. Zum ersten Mal seit langer Zeit verbrachte ich meine Nachmittage mit Freunden und ich hatte sogar sehr viel Spaß bei dem Training, auch wenn es fast nur aus rennen bestand. Ich fand sehr schnell viele Freunde und endlich kamen auch Leute auf mich zu, die sich für die deutsche Kultur interessierten. Außerdem engagierte ich mich in dem German Club der Frank W COX High School, welcher alle paar Wochen ein Treffen organisierte. Dort wurde deutsche Musik gehört, deutsches Essen gegessen und über deutsche Bräuche geredet und ich war natürlich der Star, denn ich konnte einiges über die Kultur, Sitten, Geschichte und Politik Deutschlands erzählen. Schließlich fing ich auch an, bei einer Freizeit-Basketball-Mannschaft zu spielen und leistete dort freiwillige Arbeitsstunden als Trainer einer Erstklässler-Mannschaft. Auch wenn es nicht einfach war, den Schulanfängern basketball-technisch etwas beizubringen, machte es mir sehr viel Spaß und ich schloss die Kleinen richtig in mein Herz.

Die Zeit verging und die für mich eigentlich schönste Zeit des Jahres war gekommen: Dezember, mein Geburtstag, Weihnachten und Silvester. Dass Weihnachten ganz anders werden würde, als ich es gewohnt war, merkte ich schon, als es noch im Dezember manchmal 20 Grad Celsius waren. Als wir dann noch sehr kurzfristig einen Ausflug an die Westküste nach Las Vegas, Los Angeles und zu Freunden in Arizona planten, war es dann klar, dass dieses Weihnachten selbst für meine Gastfamilie ungewohnt sein wird. Obwohl all die mit 20.000 Lichtern geschmückten Häuser den Weihnachtsmarkt, die Naschereien und meine Familie leider nicht ersetzen konnten, bekam ich am 24. Dezember mitten in der Wüste auf dem Weg zum Grand Canyon mein wahrscheinlich schönstes Weihnachtsgeschenk: Statt dem Sand in der Wüste Arizonas gab es endlich Schnee zu sehen! Weihnachten direkt wurde dann bei Freunden in der Wüste Arizonas verbracht, was sehr komisch war, denn statt Weihnachtsbaum sah man nur Kakteen und draußen waren es 25 Grad Celsius. Nach der Jahreswende begann dann die zweite Hälfte meines Auslandsjahres und schon langsam wurde ich wehmütig, an den Abschied zu denken. Ich machte noch viele nette Bekanntschaften, fand neue Freunde und festigte einige Freundschaften. Außerdem sollte ich noch sehr viel mit meiner Gastfamilie reisen, wobei das Schönste ein Wochenende in New York City war. Da sie dort Verwandte haben, die direkt in Manhattan wohnen, hatte ich die perfekte Gelegenheit, für wenig Geld viel zu sehen. Der Ausflug nach Washington D.C. hatte dann gleich zwei Besonderheiten: Erstens besuchten wir ein NBA Spiel, worauf ich schon das ganze Jahr gewartet hatte. Obwohl das Team verlor, welches ich anfeuerte, war das Spiel bis zum Ende sehr knapp und spannend und auf jeden Fall ein tolles Erlebnis. Und zweitens begann ich mich in der Hauptstadt mit meinem Gastbruder Luke anzufreunden und nach den Tagen, die wir bei Verwandten dort verbrachten, sahen wir uns beide mit ganz anderen Augen, waren richtig gut befreundet. Das Beste kam also wirklich zum Schluss und somit fiel es mir schwer von Freunden, insbesondere Isaiah, meiner Gastfamilie, Lauren, Matt und Luke, Abschied zu nehmen. Auch nach den ganzen „Burgerbuden“, dem Haus meiner Gastfamilie, dem Strand, dem Haus Isaiahs, welches praktisch mein zweites Heim war, den Recreation Centern, wie die Hallen genannt werden, in denen ich immer Basketball spielte und sogar nach meiner Schule würde ich mich bald sehnen.

In Deutschland angekommen freute ich mich sehr, meine ganze Familie und meine Freunde wiederzusehen. Es gab eine große Überraschungsparty für mich, die meine Freunde und meine Schwester organisiert hatten. Ich habe mich im ganzen Jahr viel über die Kulturen, Sprachen, Bräuche und Sitten, Spezialitäten, Sportarten, Schulsysteme, Politik und Geschichte der USA und Deutschlands ausgetauscht. So habe ich nicht nur unendlich viele Erfahrungen gemacht, sondern konnte auch selbst anderen etwas zurückgeben. Das macht mich natürlich sehr stolz und beruhigt mich zu wissen, dass ich meiner Funktion als Botschafter gerecht wurde. Auch, wenn ich in meinem Auslandsjahr nicht mein neues Ich entdecken und auch nicht meinen Wunschberuf herausfinden konnte, werde ich viele Dinge mit auf den Weg nehmen können und ich bin der Meinung, dass ich mich im positiven Sinne sehr verändert habe. Ich bin nicht nur selbstständiger, sondern vor allem selbstbewusster geworden und möchte Ihnen, Herr Hirte, an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass Sie mir das Auslandsjahr ermöglicht haben!

2011/12 Sophie Jacob

Zumbrota, Minnesota


Mein Jahr in den USA

Im Schuljahr 2012 habe ich mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP) knapp elf Monate in Zumbrota, Minnesota verbracht.

Zuerst war die Aufregung groß: Wird meine Gastfamilie nett sein? Sind meine Englischkenntnisse gut genug? Wie ist es, ein ganzes Jahr weit weg von zu Hause zu verbringen? Doch schon wenige Wochen nach meiner Ankunft in dem 3000 Einwohner zählenden Ort hatte ich das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Meine Gastfamilie hat mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und neue Freundschaften schließen fiel mir auch viel leichter als befürchtet. Nachdem ich mich nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten die Raumaufteilung in der Schule verstanden hatte, fühlte ich mich auch in der Schule pudelwohl. Obwohl es in den USA keine Trennung zwischen Gymnasium, Haupt- und Realschule gibt, fand ich den Unterricht sehr produktiv. Es gab viel Gruppenarbeit und weniger Frontalunterricht, was auch dazu führte, dass die Lehrer-Schüler-Beziehung deutlich persönlicher und die Zusammenarbeit angenehmer wurde.

Sehr wichtig ist für alle Schüler in den USA der Sport, weshalb ich in der Wintersaison dem Danceteam der Zumbrota-Mazeppa High-School beigetreten bin. Wir haben jeden Tag nach dem Unterricht trainiert, manchmal sogar morgens vor der Schule. Eigentlich hatte ich Tanzen gewählt, weil ich dachte, dass es nicht so anstrengend wie die anderen Sportarten ist, aber - falsch gedacht! Dass amerikanische Schüler den Sportunterricht sehr ernst nehmen, habe ich schon beim ersten Training gemerkt, als nach 15 Runden Laufen noch Liegestütze und weitere Kräftigungsübungen auf dem Plan standen. Auch wenn es oft sehr anspruchsvoll war: Ich würde auf jeden Fall wieder einem Sportteam beitreten, da ich dort viele neue Freundschaften schließen konnte und auch außerhalb des Trainings viel Zeit mit meinem Team verbracht habe.

Sobald Weihnachten vorbei war, verging die Zeit wie im Flug. Im einen Moment war ich mit dem Danceteam beim Wettkampf gegen die besten Teams des Staates, im nächsten hat mich mein großer Bruder besucht und im nächsten Augenblick war ich bei einem Spiel der Minnesota Twins. Naja, so fühlte es sich jedenfalls an. Ein typisch amerikanisches Erlebnis war für mich der Abschlussball, der sogenannte Prom. Obwohl dieser erst im Mai stattfinden sollte, wurden schon im Januar Termine für die Frisur und das Make-up gemacht, Kleider gekauft und viele weitere Vorbereitungen getroffen. Das war für mich eher unverständlich, spiegelt aber sehr gut die Mentalität der Amerikaner wieder, die eine Vorliebe für pompöse Veranstaltungen haben.

Natürlich läuft auch in einem Austauschjahr nicht immer alles reibungslos. Glücklicherweise kann ich aber sagen, dass ich viele Höhen und nur selten Tiefen erlebt habe. Wichtig war mir in solchen Zeiten immer der Rückhalt, sowohl von meiner Gast- als auch von meiner leiblichen Familie. Auch wenn ich sie vermisst habe, wusste ich, dass sie und meine Freunde immer für mich da sind, auch wenn sie gerade nicht bei mir sein können.

Der schönste und zugleich wohl auch schlimmste Tag war der Samstag vor meiner Abreise. Meine Gastmutter hatte eine Abschiedsfeier für mich vorbereitet, zu der wirklich jeder kam, den ich kannte. Die ganze Verwandtschaft meiner Gastfamilie, meine Lehrer, Freunde, Nachbarn und Bekannte waren anwesend und haben mich verabschiedet. Einerseits habe ich mich unglaublich gefreut, dass alle an mich gedacht haben und natürlich freute ich mich auch darauf meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen. Aber andererseits hat es mir bewusst gemacht, dass meine Zeit in den USA mit all den wundervollen Menschen, die ich kennengelernt hatte, fast vorbei war. Mittlerweile bin ich schon mehr als ein halbes Jahr wieder zurück in Deutschland und kann es einfach nur jedem, den das Fernweh quält, empfehlen, sich für das PPP zu bewerben und einen Auslandsaufenthalt in den USA zu verbringen.

2010/11 Mirjam Krug

College Station, Texas


Zehn Monate in Texas

Schon seitdem wir in der siebten Klasse in Englisch das Thema USA behandelten, entwickelte ich eine große Begeisterung für das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Als ich mich dann über die Möglichkeit eines Austauschjahrs informierte, musste ich leider feststellen, dass die Kosten dafür erschreckend hoch sind. Glücklicherweise stieß ich über meine Austauschorganisation auf das Parlamentarische Patenschafts-Programm, woraufhin ich mich bei dem Bundestagsabgeordneten aus meinem Wahlkreis, Christian Hirte, bewarb. Nach zahlreichen Bewerbungsformularen, wochenlangem Warten und Hoffen bekam ich endlich eine Zusage. Die Mühen der Vorbereitung auf das Auswahlverfahren hatten sich gelohnt! Einige Zeit später erhielt ich dann auch einen Brief mit Informationen über meine Gastfamilie: Es würde nach Texas gehen. In den restlichen Wochen vor meiner Abreise hatte ich noch viele Vorbereitungen zu treffen und meine Nervosität stieg stetig. Der Tag der Abreise rückte immer näher und schließlich war es soweit: Aufgeregt stiegen wir PPP-Stipendiaten in Frankfurt in ein Flugzeug, welches uns in neun Stunden über den atlanti­schen Ozean bringen sollte. Ich genoss diesen Flug, denn er war mein erster und damit ein unvergesslicher Flug. Doch richtig bewusst war mir nicht, dass ich tatsächlich dabei war, meinen großen Traum zu leben. Es fühlt sich auch heute noch so an, als wäre es ein unglaublicher Traum gewesen, der, wie immer, viel zu schnell vorbei war. Nach einem Umstieg in Washington in ein anderes Flugzeug landete ich nach ca. drei weite­ren Stunden in College Station, Texas. College Station liegt in einer Flachlandebene, meist sah ich einen blauen Himmel ohne Wolken, dafür mit strahlender Sonne, der in mir ein Gefühl grenzenloser Freiheit erweckte. Regen habe ich ganze vier Male erlebt. Meine Gastfamilie erwartete mich schon am Ausgang des Terminals. Ich war sehr aufgeregt. Was würde mich erwarten? Wie würde ich mit meiner Familie, den Texanern und der Sprache auskommen? Aber darüber hätte ich mir keine Sorgen zu machen brauchen. Meine Gastmut­ter Amanda schien meist zu wissen, was ich auf dem Herzen hatte und besaß auch normaler­weise die passende Antwort oder Lösung auf die mich quälenden Fragen. Trotzdem lief ich die ersten Tage mit einem kleinen Wörterbuch durch die Gegend. Doch schon nach ein paar Tagen ließ ich es zu Hause, denn die Texaner tun nichts lieber, als einer fremden Person wei­terzuhelfen, denn sie sind sehr gastfreundlich und lustig eingestellt.

Meine neue Familie stand mir ebenfalls verständnisvoll zur Seite. Ich hatte eine große Gast­familie: Meine Gasteltern Brady und Amanda Britten mit ihren drei Kindern Emily (sechs Jahre alt), Ella (vier Jahre alt) und Beau (zwei Jahre alt). Zwei Häuser weiter lebten auch meine Gastgroßeltern, die ich sehr ins Herz geschlossen habe. Gasttante und Gastonkel mit ihren drei Kindern Ethan (sieben Jahre alt), Aaron (fünf Jahre alt) und Nathan (vier Jahre alt) wohnten ebenfalls in der gleichen Straße. Der erste Schultag war sehr nervenaufreibend. Morgens um sieben Uhr stieg ich in einen der typisch gelben Schulbusse. Wie ich erfahren durfte, klapperte mein Schulbus alle Häuschen der Umgebung nach Schülern ab. In meiner vergleichsweise großen Schule mit ca. 2.800 Schülern trafen viele verschiedene Ethnizitäten aufeinander, die sich durch eine gewisse Gruppenbildung bemerkbar machten. Dadurch, dass Texas direkt an der Grenze zu Mexiko liegt, hatten wir viele (auch illegale) Einwanderer aus Mexiko. Die Grenzproblematik wurde öffentlich erstaunlich wenig beachtet. Auf Straßenschildern jedoch war alles auf Englisch und zusätzlich auf Spanisch geschrieben, da der prozentuale Anteil von Me­xikanern in Texas sehr hoch ist und viele von ihnen neben Spanisch ein nur bruchstückhaftes Englisch sprechen. Auch war es normal, mit dunkelhäutigen Klassenkameraden die Schule zu besuchen. Für mich war es eine aufregende Erfahrung, so viele verschiede­ne Einflüsse zu erleben und ich genoss es, mit meinen Mitschülern darüber zu diskutieren. Ich lernte auch etwas Spanisch dabei. Über die obligatorischen Schulfä­cher hinaus entschied ich mich noch für drei weitere sogenannte Selectives - ich wählte einen Tanzkurs, Chor und Psychologie. Nach wenigen Tagen war alles bereits Gewohnheit. Anfangs bemerkte jeder meinen merkwürdigen Akzent und fragte neugierig da­nach. Erklärte ich dann, ich sei eine Austauschschülerin aus Deutschland, wurde ich mit inte­ressanten Fragen überhäuft. Ich fand sehr schnell Freunde und hatte ich Schwierigkeiten, etwas zu verstehen, wurde mir entgegenkommend geholfen. Selbst die Lehrer opfern für ihre Schüler auch gerne mal ihre Freizeit und haben sogar Spaß dabei, ihnen individuelle Nachhilfe zu geben. So entwickelte sich recht schnell ein sehr gutes Verhältnis, fast schon wie zu guten Freunden. Auch die Tatsache, dass es im Englischen kein „Sie" gibt und damit die Sprache und das Verhältnis untereinander offener wirken, machte dies möglich.

Wie ich feststellen musste, hatten die Jugendlichen in Texas viele scheinbar un­lösbare Probleme, zu Hause sowie im sozialen Umfeld; angefangen bei alkoholkranken und im Rausch aggressiven Eltern über Drogenmissbrauch bis hin zu überkontrollierbaren und manipu­lierenden Familienmitgliedern. Manche meiner Freunde erzählten mir von ihren Problemen und so wurden die Freundschaften enger, denn das Verständnis füreinander war groß. Ich lernte zu unterscheiden zwischen echten Freundschaften und be­langlosen Bekanntschaften. Außerdem erkannte ich, dass man überall auf der Welt Freunde finden kann, denn die Menschen haben zwar verschiedene, aber auch auf bestimmte Art und Weise die gleichen Probleme und sind trotzdem freundlich und gütig.

Beeindruckt hat mich, dass man morgens, bevor der Unterricht begann, gemeinsam die „Pledge of Allegance" sprach, den Blick auf die amerikanische und texanische Flagge gerichtet, welche in je­dem Klassenraum in je einer Ausführung hängen. Patriotismus und School Spirit waren wirk­lich ausgeprägt. Anfangs hatte ich noch ein seltsames Gefühl dabei, doch das legte sich nach kurzer Zeit. Man möchte einfach zeigen, wo man hingehört und ist stolz darauf, dass es so ist. Vor jedem Haus weht neben der amerikanischen auch die texanische Flagge im Wind. Auch Religion und Glauben haben in Texas eine sehr große Bedeutung. Meine Gasteltern zum Bei­spiel sind streng gläubige Baptisten. Selbstverständlich gehören der Rest meiner großen Gast­familie ebenso dieser Gemeinde an. Meine Gastmutter Amanda ließ mir zwar die Wahl, ob ich mit in die Got­tesdienste gehen wollte oder nicht, doch ich war von Anfang an dabei, denn das war ein wichtiger Be­standteil ihres gesellschaftlichen Lebens und ich wollte so viel wie möglich davon verstehen lernen. Ich wurde Mitglied einer Youth Group, also einer christlichen Jugendgruppe, die sich zwei Mal wöchentlich zur Bibel-Stunde traf. Dass die Kirche freiwillige Helfer gerne sah, war klar und so begann ich, als Leader mit den Kindern aus der Gemeinde zu arbeiten. Auch gab es einen Kinderchor, bei dem ich mithalf. Dort trafen sich Grundschüler, die christliche Lieder für besondere Festtage wie Weihnachten oder Ostern lernten. Mit den Kindern herumzutoben, Spaß zu haben und dabei mit ihnen über Gott zu reden war für mich eine unglaubliche schöne Erfahrung. So versuchte ich auch, meiner Botschafterrolle nachzukommen. Gerade Kinder sind sehr neugierig und wissbegierig und sehen alles noch mit unverfälschten Augen. Es bereitete mir großen Spaß, ihnen von Deutschland zu erzählen. Darüber hinaus hielt ich Vorträge im Geschichtsunterricht über Deutschland und nicht zuletzt in meinem privaten Umfeld, von Familie und Freunden, wurde ich viel über meine Heimat befragt.

Ein gutes Beispiel dafür, wie liebevoll meine Gastfamilie sich um mich kümmerte, war mein Geburtstag. Er fiel auf einen Sonntag und am nächsten Tag hatten wir zufällig auch noch schulfrei. So ging es wie üblich zunächst in die Kirche. Aber vorher bekam ich noch meine liebste amerikanische Speise: Donut Holes, ein kleines, süßes, kalorienreiches Gebäck, das mit einer Zuckerglasur überzogen ist. Meine Youth Group von der Kirche überraschte mich dann mit einem Geburtstagsprogramm. Danach hatte meine Gastmutter Amanda eine besondere Überraschung für mich parat: Ich durfte einen Nachmittag reiten, wie ein echtes Cowgirl, mit einem Hut, den mir meine Gastoma zum Geburtstag ge­schenkt hatte. Das alles unter der strahlenden texanischen Sonne! Schließlich kamen auch noch meine Freundinnen, um mit einer Geburtstagsparty den Tag zu beenden. Selten war ich so glücklich. Es war definitiv der unvergesslichste Geburtstag bisher und einer meiner schönsten Tage in meinem Austauschjahr.

Am Ende der zehn Monate fuhr meine große Familie mit mir nach Missouri in einen Freizeitpark. Es war ihr Abschiedsgeschenk für mich und es gab nichts Besseres, als noch eine Woche mit meiner Familie zu verleben, bevor ich zurück nach Deutschland flog. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit meinen Geschwistern und Cousins. Wir machten aus unserem gemeinsamen Familienurlaub ein „Cousin Camp", geleitet und betreut von meiner Gastoma, und gestalteten T-Shirts. Denn wer weiß, wann ich das nächste Mal zu Besuch kom­men würde. Der Gedanke an einen Abschied von der Familie war schmerzhaft und ich konnte mich nicht damit anfreunden. Nie hätte ich mir vorgestellt, dass man an zwei verschiedenen Orten eine Familie, ein Zuhause und Freunde haben kann. Tatsächlich fühle ich mich auch jetzt immer noch hin- und hergerissen zwischen zwei Orten, die für mich zu einem Zuhause geworden sind. Den Abschied selbst konnte ich nur mit Mühe über mich bringen. Meine Tan­te schrieb auf ihr Abschiedsgeschenk: „Familie ist nicht nur Blutsverwandtschaft. Es sind auch die Personen, die wir in unserem Herzen tragen. Für mich bist Du ein Teil dieser Familie geworden."

Die erlebten zehn Monate in den USA haben mich tief beeindruckt. Ich wünschte, jeder Schü­ler in meinem Alter hätte die Möglichkeit, einmal für ein Jahr in die USA oder ein anderes fremdes Land zu gehen. Das Selbstbewusstsein, die Unabhängigkeit und Offenheit werden gefördert, Toleranz und ein größeres Menschenverständnis entwickelt. Auch mein Glaube an Gott hat sich gefestigt. In jedem Fall ist dieses Jahr als ein positives Erlebnis in meinem Ge­dächtnis verankert. Es wäre mir nie ohne den Bundestag und Herrn Christian Hirte möglich gewesen; mein Traum hätte sich ohne das Stipendium, das ich vom Bundestag erhalten hatte, nicht erfüllt.

Vielen Dank dafür!